Am 1. Oktober 2026 fand im NOI Techpark in Bozen der 14. Wahlkongress von Coopbund Alto Adige Südtirol statt. Eine breite Beteiligung von Mitgliedern sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Nonprofit-Bereich begleitete die Erneuerung der Organe und die Festlegung der Prioritäten für die kommenden fünf Jahre.
Der Kongress bestätigte Monica Devilli als Vorsitzende, Ivan Tomedi als stellvertretenden Vorsitzenden und Stefano Ruele als Direktor. Es sprachen die Landeshauptmann-Stellvertreterinnen und -Stellvertreter Rosmarie Pamer und Marco Galateo sowie Gianluigi Granero, Direktor von Legacoop nazionale. In allen Beiträgen wurde die Rolle von Coopbund als Organisation gewürdigt, der es gelingt, genossenschaftliche Werte in konkretes Handeln umzusetzen und dabei die sprachliche und kulturelle Vielfalt Südtirols als Stärke des Landes zur Geltung zu bringen.

Bereichert wurde der Kongress durch Romano Prodi, Wirtschaftswissenschaftler, zweifacher Ministerpräsident und ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission, der ein eigens für Coopbund geführtes Interview zum Thema Genossenschaftswesen und seine Perspektiven bestritt. Prodi bot eine Lageanalyse des Kontexts, in dem die Genossenschaftsbewegung heute gefordert ist: ein noch unvollendetes Europa, das an der Schwierigkeit krankt, nationale Identitäten zu überwinden; Arbeitsmärkte, die immer individuellere und isoliertere Formen begünstigen und die jüngeren Generationen von Gemeinschaftsprojekten entfernen. Die Herausforderung besteht darin, Themen zu finden, die sie wirklich betreffen - als notwendiger Ausgangspunkt, um die Gesellschaft wieder zu einem echten Dialog zu bringen. Eine Reflexion, die im Prozess, der zum Kongress geführt hat, eine konkrete Antwort gefunden hat: drei Gebietstreffen, drei Städte, das Zuhören als Methode.
Der Kongress gab auch zwei Stimmen aus dem Gebiet Raum: Ulrike Tappeiner, Leiterin des Institute for Alpine Environment bei Eurac und ehemalige Rektorin der Freien Universität Bozen, brachte die Perspektive der Forschung und der territorialen Nachhaltigkeit ein und betonte die Notwendigkeit, die jüngeren Generationen einzubinden; Denisa Zaimi von der Sozialgenossenschaft Paideias schilderte, was es bedeutet, Gemeinschaft aufzubauen - aus ihrer eigenen Erfahrung als Unternehmerin und Präsidentin einer Genossenschaft, die Dienstleistungen für Kinder anbietet.
Ein gemeinsam gestalteter Prozess
Der Kongress markierte den Abschluss eines gemeinsam mit den Mitgliedsgenossenschaften gestalteten Prozesses. Im Rahmen der Treffen vor Ort in Bozen, Brixen und Meran wurden in den vergangenen Monaten Anliegen, Vorschläge und Erwartungen der über 230 Mitgliedsgenossenschaften aufgenommen. Aus diesem Austausch sind die Schwerpunkte für die kommenden fünf Jahre hervorgegangen.
„Anstatt den Genossenschaften ein fertiges Programm vorzulegen, haben wir es vorgezogen, mit einer Frage zu beginnen: Was erwarten sich unsere Mitgliedsgenossenschaften in Zukunft von Coopbund? Denn ein Verband, der aufhört zuzuhören, hört bald auch auf zu vertreten", so die Vorsitzende Monica Devilli.
Die Prioritäten 2026-2031
Die Ausrichtung für die kommenden fünf Jahre gliedert sich in sechs Schwerpunkte.
Der erste ist die Stärkung der Interessenvertretung der Genossenschaftsbewegung im öffentlichen Diskurs und in den Entscheidungsgremien, die über die Zukunft Südtirols befinden. „Wir müssen den wirtschaftlichen und sozialen Wert der Genossenschaft sichtbar machen und mit unserer Fachkompetenz und Erfahrung einen Beitrag zu den Entscheidungen leisten, die die Zukunft des Landes betreffen", erklärt Devilli.
Der zweite ist die Nähe zu den Mitgliedsgenossenschaften: ihre Bedürfnisse aufnehmen, sie in Veränderungsprozessen begleiten und unterstützen, den Austausch von Kompetenzen fördern und gemeinsam Lösungen erarbeiten - bei gleichzeitiger Wahrung der Eigenständigkeit und der besonderen Ausrichtung einer jeden Genossenschaft.
Der dritte betrifft die Fähigkeit zur Vernetzung - zwischen den Genossenschaften und mit den anderen Kräften im Land: Institutionen, Nonprofit-Bereich, sozialen Organisationen und der Wirtschaft - um gemeinsam Antworten auf die laufenden Veränderungen zu entwickeln.
Der vierte ist der Generationenwechsel, der als eine der wichtigsten Herausforderungen des Jahrzehnts gilt. Ziel ist es, junge Menschen nicht nur als Mitglieder oder Mitarbeitende einzubinden, sondern ihnen echten Gestaltungsspielraum und Verantwortung zu geben. „Junge Menschen einzubeziehen bedeutet auch, offen für Veränderungen zu sein. Es reicht nicht, sie dazu aufzufordern, unseren Organisationen beizutreten: Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, diese aktiv mitzugestalten", betont Devilli. Parallel dazu das Engagement, die Einbindung von Frauen in verantwortungsvolle Positionen zu stärken.
Der fünfte Schwerpunkt gilt den Sozialgenossenschaften, die mehr als die Hälfte der Mitgliedsgenossenschaften ausmachen und rund 80 % der Südtiroler Sozialgenossenschaften vertreten. Ein Schatz an Fachkompetenz und Erfahrung, den Coopbund gezielt nutzen will, auch um einen Beitrag zur Bewältigung der neuen gesellschaftlichen Herausforderungen im Land zu leisten.
Der sechste und letzte betrifft die Entwicklung der Bürgergenossenschaften - ein wachsendes Modell, das vor Ort entsteht und gemeinsam getragene Antworten auf die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften entwickelt.
Das Genossenschaftswesen in Zahlen
Coopbund ist heute ein Netzwerk von über 230 Genossenschaften, die in 31 Gemeinden und Ortschaften der Provinz vertreten sind - von den größeren Zentren bis in die Berg- und Randgebiete. Insgesamt zählen sie rund 30.000 Mitglieder und erwirtschaften einen Produktionswert von fast 190 Millionen Euro, bei einem Eigenkapital von mehr als 46,7 Millionen Euro.
Die Sozialgenossenschaften des Typs A und B sind 119, was 51,5 % der Mitgliedsgenossenschaften entspricht. Es folgen die Produktions- und Arbeitergenossenschaften (51, 22,1 %), die Dienstleistungsgenossenschaften (22, 9,5 %), die Wohnbaugenossenschaften (18, 7,8 %) und die Bürgergenossenschaften (9, 3,9 %). Letztere stellen eine der dynamischsten Entwicklungen der vergangenen fünf Jahre dar, mit einem deutlichen Wachstum vor allem in ländlichen und Berggebieten.
Was die Vertretungsstrukturen betrifft: Bei 28,6 % der Mitgliedsgenossenschaften steht eine Frau an der Spitze. Was die Altersstruktur angeht: Mehr als 65 % der Vertreterinnen und Vertreter sind über 50 Jahre alt, wobei die Gruppe der über 60-Jährigen allein 36,6 % ausmacht. Der Anteil der unter 30-Jährigen liegt bei lediglich 0,85 %.
Der neue Vorstand
Vorstand 2026-2031: Monica Devilli (Vorsitzende), Ivan Tomedi (stellvertretender Vorsitzender), Stefano Ruele (Direktor), Giulia Failli, Monika Thomaser, Umberto Carrescia, Davide Monti, Raffaele Bufano, Alex Baldo, Joachim Kerer, Martina Mazza.
Garantieausschuss: Francesca Peruz, Heini Grandi, Paul Hammond, Florika Ngucaj.
